Moderner Wohnstil

“Wohnst du noch, oder lebst du schon?” So lautet der Werbespruch eines berühmten Möbelhauses, der mehr aussagt, als das Vordergründig scheinen mag. Wohnen ist nicht mehr nur elementare Bedürfnisbefriedigung, sondern immer auch Ausdruck sozioökonomischer Realitäten. Für einen Großteil der Bevölkerung ist das Leben mobiler und flexibler geworden. Klassische Formen des Zusammenlebens, wie die Kleinfamilie von einst, gibt es kaum noch. 50 Prozent der Wohnungen in Großstädten werden von Singles bewohnt, nur in jedem zehnten Haushalt gibt es noch ein Kind.

Einer Umfrage zufolge sind 80 Prozent der Deutschen mit ihrer Wohnsituation unzufrieden, dabei geben sie doppelt so viel von Ihrem Einkommen für das Wohnen aus wie vor 50 Jahren. Standardisierte Wohnungsgrundrisse die allein auf die Bedürfnisse der klassischen Kleinfamilie ausgerichtet sind, mit Wohnzimmer, abgetrennter Küche und Schlafzimmern sind nicht mehr zeitgemäß. Die gewandelten Lebensverhältnisse verlangen nach einem: Freierem Wohnen!

Dieses Verlangen spiegeln auch die Wohn- und Möbelmessen wider. Wohnraum soll transparent gestaltet sein: Licht und Helligkeit sowie einfache und klare Formen lösen das Dunkle, Verschnörkelte und Massive ab. Küchen sind nicht mehr vom Wohnraum abgetrennt, sondern in diesen integriert. Die eher mit dem Künstlertypus assoziierte Loft, also einem offenen Wohnungsstil, hat sich auf dem Immobilienmarkt schon längst etabliert. Multifunktionalität ist ebenso gefragt wie Flexibilität, letzteres beispielsweise in Form von beweglichen Kaminen, die in Baumärkten hohe Absatzzahlen erzeugen.

Ebenso ist Individualität gefragt: Der Kunde verlangt nicht nur nach standardisierter Einheitsware sondern auch nach dem sich von der Masse abhebenden Designerstück.
Wie wichtig das “Leben” und nicht nur das reine “Wohnen” geworden ist, spiegeln auch die Marktdaten wider: In keinem anderen Land wird so viel Geld für Möbel ausgegeben wie in Deutschland.